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Alt 30.04.2007, 07:40   Wie ich einmal versuchte, Walter Ulbricht mit fünf DM zu bestechen ... Beitrag #1 (permalink)
Waldbaum
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Registriert seit: 02.03.2007
Ort: Schwarzwald und Schottland
Beiträge: 870
Wie ich einmal versuchte, Walter Ulbricht mit fünf DM zu bestechen ...

Kurze Vorrede:

Dies ist nun der dritte und letzte Teil meiner DDR-Trilogie.

Und zugleich der älteste Teil.

Diese Geschichte spielt im Sommer 1966.
Waldbaum ist offline  
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Alt 30.04.2007, 07:41   Wie ich einmal versuchte, Walter Ulbricht mit fünf DM zu bestechen ... Beitrag #2 (permalink)
Waldbaum
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Registriert seit: 02.03.2007
Ort: Schwarzwald und Schottland
Beiträge: 870
Wie ich einmal versuchte, Walter Ulbricht mit fünf DM (West) zu bestechen, die DDR an die Amerikaner zu verraten - doch die Grenzorgane der DDR kamen mir auf die Schliche …

Es war noch zur Zeit des sogenannten Zwangsumtauschs. Jeder, der von West- nach Ostberlin ging, musste mindestens fünf DM in “Deutsche Mark der DDR” umtauschen, wie es damals hieß.

Ich war mit einer Studentengruppe aus Freiburg im Breisgau nach Berlin gefahren Eine sehr internationale Besetzung: Engländer, Franzosen, und vor allem viele Perser. Wir gingen dann auch nach Ostberlin - und abends wieder zurück. Deutsche und Ausländer übrigens an getrennten Übergängen! Those were the days …

Am Grenzkontrollpunkt wurde ich von den “Grenzorganen der DDR” gefragt, was ich denn nun mit meinen fünf Mark angefangen hätte. Und damit begann das Problem, das vielleicht in Sibirien geendet hätte. Aber damals wollte ich da noch nicht hin.

Die Grenzorgane befragten mich also, was ich mit meinen fünf Mark getan hätte. Ich hatte sie restlos ausgegeben, was auch klug war, denn Mark der DDR durfte man nicht ausführen. Aber wie hatte ich sie ausgegeben? Ich kam und kam nicht auf den vollen Betrag. Und für fünf Mark konnte man sich damals schon noch was leisten!

Ich zählte auf: ein Bier … Kaffee und Kuchen … ein paar Ansichtskarten … Briefmarken … Eintritt ins Pergamon-Museum … Aber das alles ergab immer noch nicht fünf Mark. Die Grenzorgane wurden mißtrauisch … Weiß der Teufel, was diese verdächtige badische Mensch mit den fehlenden 50 Pfennnig vielleicht für kontra-revolutionäre Teufeleien angestellt hatte!

Ich wurde aus der Warteschlange aussortiert und in ein Nebenzimmer zum Kreuzverhör eskortiert. Na Prosit! Wie hat es mal ein Engländer so schön und treffend formuliert: “You never know what might happen … and the cattle trains to Sibiria leave EVERY hour - ON the hour!” Solche Gedanken gingen einem damals schon durch den Kopf, wenn die Grenzorgane grimmige Gesichter aufsetzten.

Beim Kreuzverhör interessierte die Grenzorgane dann weniger die fehlenden 50 Pfennig - sondern einfach alles. Die hätten mich auch nach dem Geburtsdatum meiner Schwiegermutter und ihrer Schuhgröße gefragt, falls ich damals eine Schwiegermutter gehabt hätte! Aber so fragten sie nach Freiburg, meinem Studium und der Studentengruppe, mit der ich hier in Berlin war. Als sie erfuhren, da seien vor allem Engländer, Franzosen und Perser dabei, änderte sich der Ton etwas, wie ich meine. Vielleicht käme die Nachricht im übrigen Ausland doch nicht so gut, welche Lappalien in Ostberlin zu einer Verhaftung führen konnten …? Am Ende würde sich die Königin von England – vereint mit Président Général Charles de Gaulle und dem Schah von Persien – energisch für meine Freilassung einsetzen?

In solchen Fällen fragt man am besten mal bei einem Vorgesetzten nach.

Ich stelle mir nun mal das Gespräch vor, das da vielleicht geführt worden ist. Die Grenzorgane riefen also ihren Vorgesetzen an. Und da diesem der Fall zu heiß war, rief er besser gleich ganz oben an. Nach einer Weile kam ein Rückruf. Ob diese Gespräche so stattgefunden haben, weiß ich nicht. Aber ich stelle es mir mal so vor :

“Hallo … Genosse Major … ich höre, Sie haben da einen verdächtigen Schwarzwälder Waldbaum verhaftet, der mit dem Schah von Persien verwandt ist? – Widersprechen Sie mir nicht! Die Partei hat immer recht! – Also ich sehe die Sache so: Dieser Schah ist ja ein ganz übler Monoboolgabbidalisdd … aber schon ein ganz übler! Monarchist noch dazu! Da ist Hopfen und Malz verloren … oder was immer die Perser da auch trinken …

Aber: Der Mann hat Öl … und so … da gilt es Rücksicht zu nehmen … und überhaupt … Dritte Welt … Islam … wollen wir es uns da verderben? … ich sage NEIN, Genosse Major!!!

Und dann dieser Charles de Gaulle … soll ja auch ein Freund von diesem badischen Waldbaum da sein … widersprechen Sie mir nicht schon wieder, Genossse Major … ich weiß, was ich weiß … die Queen lassen wir jetzt mal aus dem Spiel … also dieser de Gaulle nun … ein Reaktionär, wie er im Buch steht …. Aktionär soll er ja auch noch sein …

Aber, was hat er neulich wieder gesagt: ‘Ich liebe Deutschland so sehr, dass ich mich freue, dass es zwei davon gibt!’

Also das ist mir runtergegangen wie Öl … der Mann liegt ja voll auf unsrer Parteilinie … Zwei-Staaten-Theorie und so …den Mann müsssen wir uns warm halten … aber immer doch, Genosse Major!

Drum, Genosse Major, lassen Sie diesen badischen Waldbaum laufen! Wir haben ja auch genug eigene sozialistische Waldbäume .....Birken in Brandenburg .... Buchen in Berlin .....Tannen in Thüringen ....ich werd direkt noch poetisch .... ist ja sonst nicht so meine Art ....

… Also in diesem Sinne, Genosse Major, in diesem Sinne …. ja Mielke, was ist denn? Sehen Sie denn nicht, dass sie gerade stören? … Ach, Sie haben neue Erkenntnisse zum Fall Waldbaum. … was lese ich da? Der Baum ist ein Genosse? Mitglied in der Badischen Winzergenossenschaft?

Badischer Wein, von der Sonne verwöhnt … hab manch eine Flasche Spätburgunder mit meinen Genossen genossen, Genosse Mielke! Und wenn ich sage “genossen”, dann meine ich GENOSSEN, Genosse!

Aber zur Sache …. dann wollen wir unsere badischen Winzer-Genossen mal nicht vergrämen, Mielke , sonst wird der Wein sauer … und das wär schad … ach, Sie sind ja mehr so ein Biertrinker, Mielke … ich weiß … aber ich schweife ab …

Ja, Mielke … was ist denn jetzt schon wieder … der Fall ist doch gelöst … was wollen Sie denn noch hier … ach, schon wieder neue Erkenntnisse … na, dann lassen Sie mal hören!

Bleiben Sie bitte noch etwas am Apparat, Genosse Major ....

… nun wieder zur Sache, Genosse Mielke ….. Was wollten Sie mir gerade sagen … wie bitte? Der Waldbaum ist ein Doppelagent? Einerseits arbeitet er für den nordnorwegischen Geheimdienst … und gleichzeitig für die Sureté Forestière de la Forêt Noire … badisch-französischer Sicherheitsdienst im südlichen Süd-Schwarzwald … Mielke, mir kommt da eine Idee: diesen Baum werben wir an! Wer zwei Herren dient, dient auch drei Herren! Mir schwebt da was vor: Ein Staatssicherheitsbaum zur Überwachung der Interhotels … mit besonderer Berücksichtigung des Bezirks Erfurt! Dass eine badische Lärche für die Stasi arbeitet, darauf kommt keiner … Mielke, Sie sind ein Goldjunge! Ich würde Ihnen glatt einen Orden verleihen, wenn Sie noch Platz hätten am Jackett!

Genosse Major, sind Sie noch dran? … Ja, sehr schön, dass Sie diesen Waldbaum herausgefischt haben .. Sie bekommen eine Belobigung … kostenneutral ….nun hören Sie gut zu … entschuldigen Sie sich bei diesem Waldbaum und entlassen Sie ihn in allen Ehren … wir wollen ihn später mal für den Aufbau des Sozialismus in Thüringen gewinnen … geben Sie ihm auf Staatskosten noch eine Flasche Rotkäppchen-Sekt mit, die holen wir dann später wieder aus einem der Pakete raus … kostenneutral, Sie verstehen …

Mielke, sorgen Sie dafür, dass demnächst eine attraktive thüringische Geheimdienst-Tanne diesen Waldbaum im Schwarzwald aufsucht und ihm ein Angebot unterbreitet, dem er nicht wird widerstehen können …”

Und so kam es, wie es kommen musste …1977 an der Bar eines Interhotels zu Erfurt .....

Ob das Gespräch oben genauso stattgefunden hat, dafür kann ich mich nicht verbürgen. Tatsache ist aber dies: Nachdem zur Sprache kam, dass in meiner Studentengruppe viele Perser und auch einige Franzosen und Engländer waren, änderte sich der Ton, und ich wurde bald danach auf freien Fuß gesetzt.

Rotkäppchen-Sekt habe ich übrigens keinen gekriegt. Vielleicht hat ihn der Genosse Major auf sein eigenes Wohl getrunken? Wer weiß?

Als ich dann Westberliner Boden betrat, warteten dort alle deutschen Mitglieder der Studentengruppe auf mich … die Ausländer mussten ja einen anderen Übergang nehmen. Sie hatten sich schon Sorgen um mich gemacht. Ich fand es rührend, dass sie auf mich gewartet hatten. Und als ich ihnen von dem Verhör erzählt hatte, sprach einer die klassischen Worte:

“Die haben sicher geglaubt, du wolltest Ulbricht mit fünf Mark bestechen, so dass er die DDR an die Amerikaner verrät!” Und diesen Satz habe ich nun als Überschrift der Geschichte genommen!


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Alt 16.06.2008, 01:01   Wie ich einmal versuchte, Walter Ulbricht mit fünf DM zu bestechen ... Beitrag #3 (permalink)
Waldbaum
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Zitat:
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Und so kam es, wie es kommen musste …1977 an der Bar eines Interhotels zu Erfurt .....
Und hier folgt nun die Fortsetzung.

In Erfurt:


http://www.esoterikforum.de/eigene-t...tml#post268612

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