DYING MOON
COPYRIGHT BY LEILA DWYN
Christin packte gerade ihre letzten Sachen in ihren Rucksack, die sie für das Ritual brauchen würde. Zufrieden warf sie einen Blick auf ihre Armbanduhr, bevor sie die Wohnung verließ. Ihr Weg führte in den nahegelegenen Wald der Kleinstadt in der sie lebte. Es war kurz vor Mitternacht. Christin war Wicca-Anhängerin und nahm sich diese Nacht vor, das Vollmondfest mit einem Ritual im wald zu feiern. Natürlich wusste sie, dass es für junge Mädchen allein in der Nacht gefährlich werden könnte, aber das ließ sie nicht von ihrem vorhaben abbringen. Der kleine Wald, den sie ansteuerte, war ca. 15 Minuten Fußmarsch von der Wohnung ihrer Eltern entfernt. Diese lagen um diese Uhrzeit schon längst schlafend im Bett und wussten nichts von den Nachtspaziergang ihrer Tochter.
Christin suchte sich nahe des Waldrandes ein schönes Plätzchen, dass ihr gut gefiel und auf sie den Eindruck machte, das es ein perfekter Ort für ein Vollmondritual wie ihres war.
Auf einer violetten Decke breitete sie ihre mitgebrachten Hexenutensilien aus, nahm sich den selbstgeschnitzten mit Glitzersteinen verzierten Stab und zog den magischen Schutzkreis...
Bernhard spazierte wie jede Nacht am Stadtrand entlang. Die Innenstadt mied er, dorthin verschlug es ihn nur, wenn er gerade auf Blutjagd war und auch nur nachts. Seinen Durst hatte er erst letzte Nacht wieder gestillt und für gewöhnlich reichte ihn das 4 bis 5 Tage aus. Diese Sommernacht war angenehm, nicht zu heiß aber auch nicht frisch. Einfach wie perfekt geschaffen für einen Spaziergang bei Vollmond im Wald.
"Große Göttin, bitte stehe mir bei in diesem Ritual.. Mond, lade mich mit Kraft.", waren Christins Worte, als sie gerade eine weiße Kerze anzündete. Sie war gerade so in ihr Ritual vertieft, dass sie garnicht mitbekam, das sie beobachtet wurde.
Bernhard stand direkt an der Waldgrenze und wunderte sich, was ein junges Mädchen mitten in der Nacht allein im Wald zu suchen hatte. "Mh eine Hexe. Auf der Suche nach Kräutern? Nein sie zaubert gerade.." Ohne ein einziges Geräusch von sich zu geben, näherte er sich einige Meter an Christin und blieb nur wenige Schritte von ihr entfernt stehen.
Die Wicca-Anhängerin bekam einen riesen Schreck, als sie den jungen Mann entdeckte. Ihr Herz schlug bis zum Hals, aber sie konnte sich zusammenreißen und fuhr ihn an: "Bleib wo du bist! Wenn du meinen Schutzkreis betrittst, wirst du was erleben!"
Bernhard weitete seine Augen, sagte jedoch nichts. Mit solch einer Reaktion hatte er gerechnet. Ihren Stab fest umklammert, bereit zuzuschlagen hielt Christin ihren Stab fest und ließ ihren Blick nocht von Bernhard ab.
Mit durchdringenden Augen sah er sie an. Einige Augenblicke standen sie so da, bis Bernhard das Wort ergriff: Entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht erschrecken." Christin ließ ihren Stab sinken, war aber immernoch angriffsbereit. "Mh. Und warum starrst du mich so an?" "Mich verwundert es bloß, das eine junge Dame sich um diese Uhrzeit allein im Wald vergnügt." "Ja und? das ist doch meine Sache!", keifte die Hexe. "Na wenn du meinst. ich bin nur gerde zufällig hier, weil ich gerade ein bisschen spazieren gehe. Ich wollte dich wirklich nicht erschrecken." Bernhards Stimme senkte sich und an seiner Stimme erkannte auch Christin, dass der Spaziergänger ihr wirklich nichts antun wollte.
Es war mitten in der Nacht und stockdunkel, aber im Mondschein erkannte Christin den atemberaubenden Körper des jungen Mannes und seine Stimme klang alles andere als bedrohlich.
"Naja... Wie auch immer... Ich wollte eh gerade wieder heim gehen.", meinte die Wicca-Hexe und löste den magischen Kreis. Schnell packte sie ihre Sachen wieder ein. Bernhard stand immernoch auf derselben Stelle. "Es wäre zu gefährlich dich allein gehen zu lassen. Hast du was dagegen, wenn ich dich begleite?" Christin sah ihn garnicht an, ging an ihn vorbei und antwortete gehässig: "Als wenn ich noch ein kleines Kind wäre!" Nachdem sie ein paar Schritte ging, drehte sie sich nocheinmal um, um zu prüfen ob er ihr nicht doch folgte. Das war zwar nicht der Fall, aber der Anblick von diesen nahezu perfekten Körper und die dunklen Haare machte sie schwach. "Hm.. aber wenn ich es mir Recht überlege. Ich laufe nicht gern allein."
Bernhard begleitete Christin nach Hause. Vor der Haustür verabschiedeten sie sich. Irgentwie übte Bernhard etwas faszinierendes auf Christin aus, sie konnte sich nur nicht erklären, was genau es war. "Sagmal. Hast du morgen schon was vor? Oder ich meine heute? Es ist ja schon 3 Uhr morgens, verbesserte sich die Hexe und nachdem sie kurz auf ihre Armbanduhr sah. "Heute Abend?" "Ja?" "Ich denke schon. Wir treffen uns dann am Waldrand. Christin, denn schlaf noch schön. Ich muss jetzt auch wirklich los." Damit verabschiedete sich Bernhard und verschwand in der Dunkelheit.
Am Abend trafen sie sich wie verabredet. Die Sonne ging bereits unter. Bernhard kam kurz nach Christin. Der junge Mann wirkte einen unglaublichen Zauber aus auf sie. Seine gepflegten, dunklen, schulterlangen Haare, dieser Körper und seine Blässe die ihn sehr gut stand. Die Hexe begrüßte ihn: "Bist ja auch schon da. Wie gehts dir?" Bernhard nickte ihr zu. "Mir geht es gut. Vielen Dank der Nachfrage." Er war wirklich sehr sehr nett. "Für nen Kerl bist du sehr höflich muss ich sagen.", sagte Christin und lächelte ihn an. "Oh danke sehr.", antwortete Bernhard sichtlich geschmeichelt über Christins Aussage. "Und? Hast dich heute morgen auch nochmal schlafen gelegt? Ich bin zuhause gleich sofort ins Bett gefallen." "Du, ich muss mit dir reden." Solch eine Antwort hatte sie wirklich nicht erwartet. "Okay. Was gibts?" Bernhard biss sich auf die Lippen. Wie sollte er ihr es nur erklären? "Zu deiner Frage.. Nein.. Ich brauche keinen Schlaf." Die Wicca-Anhängerin schüttelte ihren Kopf. "Hä? Wie?" "Ich bin ein Vampir." "Du... Du bist ein Vampir??!" Bernhard schwieg um Christins Reaktion genauer zu beobachten. Ihr schwirrten plötzlich viele Gedanken durch ihren Kopf. "Tust du dann auch..." Sie brauchte ihren Satz garnicht beenden. Der Vampir konnte ihre Gedanken lesen. "Ja aber ich habe keineswegs vor, von deinem Blut zu trinken, deschweige denn dich zu beißen. Klar, um zu überleben muss ich es tun. Ich jage nur nachts, dass alle paar Tage und trinke Blut. " Christin war geschockt. Aber irgentwie verspürte sie keine richtige Angst. Im Gegenteil. In der Nähe des Vampirs fühlte sie sich geborgen. "Ich habe mich auch erst vor 2 Nächten wieder vergnügt.", erzählte Bernhard und ließ dabei seine spitzen Eckzähne hervorblitzen. "So oft muss ich es nicht tun. Nach 4 bis 5 Tagen erst wieder. Meistens trinke ich etwas von Pennern. Nicht das leckerste Blut, aber okay." Christin war beeindruckt. Der Vampir und die Hexe erzählten noch eine Weile. Bernhard erzählte ihr viel aus der Vergangenheit und ein paar seiner spannenden Erlebnisse die er bis jetzt als Vampir erleben durfte, seiner Verwandlung und einiges mehr. Wie zuvor begleitete er sie auch wieder heim und verabredeten sich wieder für den nächsten Abend.