Ganz so drastisch wie in der Überschrift sehe ich das nicht, allerdings habe ich beide Wege jetzt endgültig für mich ausgeschlossen.
Das Christentum als Religion (so wie es momentan gelebt wird) hatte ich schon vor einer Weile ausgeschlossen und vielen Menschen geht es da ähnlich und den Buddhismus als Religion (so wie es momentan gelebt wird) habe ich heute ausgeschlossen nachdem ich einen Vortrag gehört habe.
Ich stelle das übrigens hier rein, weil ich nicht unbedingt darüber diskutieren muss/will - sollte sich jetzt aber doch eine Disksussion entwickeln, weil da so viel Bedarf ist kann man das ja doch noch verschrieben.
Der Vortrag hieß "Grundlagen zum Buddhismus" und wurde in einem Berliner Buddhistischen Zentrum abgehalten und hat mich echt überzeugt, dass das definitiv nicht mein Weg sein kann.
Diese beiden Religionen ähneln sich so sehr, es ist schon fast erschreckend.
Im Christentum kommt man in die Hölle, wenn man "gesündigt" hat, kann aber um Vergebung bitten oder sonstwie verhindern, dass man in die Hölle muss.
Im Buddhismus muss man dann in der nächsten Inkarnation für die in diesem Leben begangenen "Sünden" grade stehen, kann aber durch aufbauen von gutem Karma die Sache auch abmildern. Oder man baut gar kein Karma auf und kommt dann raus aus dem Kreislauf.
Es ist übrigens witzig. Der Herr von dem Vortrag meinte, dass es kein Anfang gibt. Dann meinte er noch, dass Nirwana das Ende ist. Danach ist schluss, dann meinte er, dass Inkarnation zeitlich-linear ablaufen. Und er meinte, dass irgendwann jeder im Nirwana ist.
Kurz es gibt keinen Anfang aber ein Ende im Budddhismus und das obwohl ansonsten alles als zyklisch angesehen wird.

Dann ist da noch die Sache, dass große Teile der Lehren von Religionen nicht offensichtlich sind. Das heißt, man kann sie nicht allein durch beobachten der Welt herausfinden, sondern muss die Lehre kennen. Und wer die Lehre nicht begeht kommt in die Hölle oder lädt sich Karma von Unwissenheit auf.
So ist das Lesen von Romanen schon nicht so sonderlich gut und das essen von Fleisch auch nicht, weil das entweder (in Auftrag gegebener) Mord oder Unwissenheit ist. Beides ein echtes Minus auf dem Karmakonto.
Falsche Sichtweise oder Falsche Einsicht bringt auch schlechtes Karma. Zum Beispiel nicht an Wiedergeburt glauben, das wäre falsche Einsicht/Sichtweise. Zur Strafe muss man dann im nächsten Leben da aufwachsen, wo die Buddhistische Lehre nicht gelehrt wird. Echt, Christ sein ist also eine Strafe aus Buddhistischer Sicht. Das ist so wie: "Ich bin tolerant gegenüber andersgläubigen, aber sie kommen trotzdem in die Hölle."
Es gibt eine simplen Gedanken, der dem ganzen Unsinn von Hölle, jenseitigem Karma usw. ein Ende macht.
Alle ist Eins - Es gibt keine Trennung.
Wenn alles Eins ist und ich schlage einen anderen, dann schlage ich mich. Ich habe damit bereits die Konsequenz meines Handelns erfahren, weil ich der andere bin. Karma, Hölle, Bestrafung, all der Unsinn ist damit hinfällig.
Wenn man diese ganzen religiösen Lehren mal raus aus dem Jenseits ins Diesseits holt, dann macht das auch alles wieder Sinn.
Wer tötet, der kommt in die Hölle auf Erden, denn das wird er erleben.
Wer Karma (ein altes Muster) hat und dieses Muster als Reaktion wieder abspielt, der Inkarniert sozusagen erneut in die Reaktion hinein.
Beispiel: Wenn ich üblicherweise auf schlechte Laune meiner Partnerin (so ich eine hätte) mit zurückmaulen reagieren (Altes Muster/Karma) würde und ich komme wieder in so eine Situation und reagiere erneut so wie immer (inkarniere in die Situation erneut), dann behalte ich dieses Muster. Wenn ich aber, wenn die Situation auftaucht, achtsam und bewusst bleibe, dann kann ich neu agieren.
Ein Mensch der nur agiert und nicht mehr reagiert ist aus dem Kreislauf von immer wieder kehrender Inkarnation in alte Muster (Karma) ausgebrochen und lebt frei (Nirwana).
Wobei ich wieder beim Thema wäre. Die religiösen Lehren haben alle ne Menge gute Ideen, wie nicht töten oder bewusst und achtsam leben, öfter mal meditieren, raus aus der Unwissenheit, Liebe deinen nächsten, wie dich selbst - lauter sinnvolle Lebensratschläge (und wenn man Karma so interpretiert wie ich, dann hat man sogar eine psychologische Erklärung für das übliche Wiederholungsverhalten, was der Mensch an den Tag legt). Es gibt also in den Religionen durchaus gute Tips.
Aber das, was um den Kern der Lehre als religiöses Gerüst aufgebaut wurde ist einfach mal Mist und in letzter Konsequenz kontraproduktiv. Es war sinnvoll um die Menschen zu anständigem Handeln zu bewegen, aber ich sag es mal direkt: Für die neue Zeit hat dieses alte Konzept des drohens mit Strafen (auch wenn die Buddhisten das Karma als Konsequenz bezeichnen - so ist das vom Grundprinzip dasselbe) ausgedient.
Es gibt kein Trennung von Gott, es gibt keine Trennung von allem anderen. Es gibt keine Trennung. Daher gibt es auch keine Zeit. Es braucht keine Strafen und kein abarbeiten von Karma aus dem letzten Leben.
Zeit und Trennung sind Illusionen, die uns einen Rahmen bieten innerhalb dessen wir Erfahrungen kreieren können - dasselbe macht auch alle anderen Illusionen aus, denen wir unterliegen. Illusion heißt nicht, dass es nicht real ist, denn die Auswirkungen der Illusion werden ja erlebt. Illusion heißt nur, dass es in letzter Wirklichkeit nicht wahr ist. Die Illusion bietet uns den Erfahrungsrahmen innerhalb dessen wir hier in der Welt der Relativitäten erfahren und erschaffen können wer wir sind.
Wenn ich aber vergesse, dass eine Illusion eine Illusion ist, dann wird sie zur Realität anstatt ein Werkzeug zu bleiben und die Konsequenz daraus sehen wir auf diesem Planeten sehr deutlich.
Die Leute glauben es gäbe Getrenntheit, aber alles ist Leben und nichts kann dem Leben hinzugefügt oder weggenommen werden, nichts kann sterben alles wandelt sich. Leben ist Tod. Weil jeder Wandel ein Tod ist (erstaunlich, dass sowas auch im Budhismus bekannt ist, aber oft nicht weitergeguckt wird und die Illusion vollständig durchschaut, sondern mit einer anderen "korrigiert" wird).
Weil nichts getrennt ist gibt es keinen Mangel, aber wir glauben, dass alles getrennt ist und erschaffen so einen Mangel.
Genauso erschaffen wir Bedingungen, obwohl wir alle Bedingungen abschaffen könnten, wenn wir alle wollten.
Und so weiter es gibt da noch viele Illusionen mehr.
Tatsächlich ist es erstaunlich, dass wir es immernoch schaffen, diese Welt in einem Zustand zu halten, der Trennung, Mangel, Bedingtheit und all das andere vorspiegelt. Das ist eine echte Leistung. Wer weiß, wie lange wir das noch hinkriegen ...
Grüße Shuichi