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Alt 23.11.2009, 23:18   Gedanken zur Gewalt Beitrag #1 (permalink)
Raphael
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Sternzeichen: Fische
Registriert seit: 05.11.2005
Ort: NRW
Alter: 27
Beiträge: 312
Gedanken zur Gewalt

Einigen Lesern wird nicht gefallen, was ich schreibe und ich bitte auch darum in diesem Fall das Lesen sofort abzubrechen. Es handelt sich um meine Ideen und Gedanken und diese sind nie leicht zu akzeptieren. Einige Leser werden eine Prädisposition haben, diesen Text abzulehnen. Das ist auch gut so. Wie gesagt, dann bitte sofort aufhören. Das ist sehr wichtig. Im übrigen ist es ein Thema des Wurzelchakras - Überleben.

Vor vier Tagen lief ich durch die Straßen von Aachen und ein Mann zog eine Frau am Arm und offensichtlich wehrte sie sich dagegen. Ich drehte mich um nachdem ich die Situation realisiert hatte und nahm meine Kopfhörer ab. Zunächst bemerkte der Mann garnicht, dass ich sie beobachtete aber nach wenigen Sekunden mischte ich mich ein und fragte die Frau, ob alles in Ordnung sein. Es war offensichtlich nicht alles in Ordnung. Sie bat den Mann sie in Ruhe zu lassen aber der wollte nicht hören. In meinen Augen war es einer dieser testosterongesteuerten Männer, die meinen ihnen würde alles gehören, was sie zu ihrem Besitz deklarierten. Natürlich mit der Eigenschaft dazu, das mit Gewalt bei sich zu halten, was sie besitzen. Letztlich löste ich die beiden voneinander und die Frau konnte gehen. Der Mann bat mich ein Stück mit ihm zu gehen und fragte mich dann warum ich mich eingemischt hätte. Natürlich hatte ich mich eingemischt, weil die Frau alleine keine Chance gegen diesen Deppen hatte. Egal, er drohte mir, mich platt zu machen und meine Knie wurden weich. Letztendlich ließ er mich aber einfach weitergehen, vielleicht weil es ein belebter Bürgersteig war.

In den darauf folgenden Tagen wurde das Thema deutlicher. Es war nicht das erste mal, dass ich bedroht oder geschlagen wurde, doch eines hatten alle derartigen Ereignisse gemeinsam: Ich hätte keine Chance gehabt aus dieser Situation aus Sieger hervorzugehen. Nicht weil ich zu schwach wäre, nicht weil ich zu langsam wäre, nein, weil ich mich nicht wehren durfte. Es ist verboten. Meine Mutter hat's verboten und ich hab's mir verboten, doch was nun? Gewalt ist ein Thema, mit dem ich öfters konfrontiert werde, also ist es etwas, das in mir schlummert. Ich habe gewalttätige Freunde und ich habe Gewalt erlebt. Nicht viel aber es war genug um meine Seele zutiefst zu erschüttern. Ich habe die Augen verschlossen vor Gewalt, habe immer dann mein Bewusstsein abgeschaltet, wenn Gewalt ins Spiel kam. Nur nicht erleben, nur nicht wahrnehmen was da geschieht und schon garnicht die Faust gegen jemand anderes erheben. Ich habe Freunde, Freundinnen, die eine sehr gewalttätige Kindheit hinter sich haben und gerade ich sah natürlich, dass sie oft ihre gewalttätige Seite verdrängten. Ich erlebte Persönlichkeitsabspaltungen dieser Freunde, damit sie sich selbst nicht erkennen mussten. Ich verstehe, dass niemand der eine solche Kindheit durchlebt hat, glauben kann, dass er selbst gewalttätig sein könnte, doch die psychologischen Folgen haben mir immer bewiesen, dass JEDER Mensch diese Teile in sich trägt, ob er dies will oder nicht. Verdrängt man das Raubtier tief in den Dschungel wird es unerwartet aus dem Bäumen zuschlagen, ohne dass man darauf vorbereitet sein wird. Sperrt man es ein, so wird es sterben. Beides sind verkehrte Wege, denn dieses Raubtier sind wir. Nicht verdrängen, nicht einsperren, kennenlernen. Oft machen wir es uns leicht und behaupten, dass wir zu Gewalt nicht fähig wären aber das ist einfach eine Lüge die es uns ermöglicht, uns in einer Welt zu ertragen, in der Gewalt unschicklich ist, doch was war vor 800 Jahren? Die Menschen zogen in Schlachten, stießen sich Schwerter, Lanzen und Messer in die Körper. Aus heutiger Sicht waren es Tiere aber nach meiner Sicht sind wir noch immer diese Tiere, nur die Krallen sind gestutzt, die Zähne abgeschliffen, der Blick trübe und leidenschaftslos.
Was hat die damaligen Krieger dazu bewogen in den Kampf zu ziehen? Sie selbst hätten ihresgleichen niemals getötet. Nein, man tötete weil man sonst selbst getötet worden wäre und auch die Überzeugung war, dass man aus dem Recht heraus tötete um den eigenen Idealen zum Sieg zu verhelfen. Man tötete, weil es richtig war.
Heute muss man nicht mehr töten aber nichtsdestotrotz muss man noch immer kämpfen und auch die Gewalt ist dabei ein absolut legitimes Mittel. Warum sollte man auch keine Gewalt ausüben? Aus dem Beispiel der Verteidigung dieser hilflosen Frau ergibt sich doch automatisch, dass Gewalt in diesem Fall das Mittel zur Verteidigung gewesen wäre, dass im Ernstfall diese Frau und mich geschützt hätte. Wieder einmal heiligt der Zweck die Mittel und wieder einmal bricht ein pauschales, moralisches Verbot in sich zusammen, denn Gewalt ist gut, wo sie dem Schutz des Schwächeren dient und wo sie der Verteidigung selbst dient.

Ja, ein Pazifist kann man sein und man sollte es auch, jedoch ist, um den Frieden zu wahren, auch manchmal Krieg notwendig. Heute frage ich mich, wie vielen Menschen ich längst aus ausweglosen Situationen hätte helfen können, wenn ich nur zugelassen hätte, dass ich dem Bösen Gewalt entgegensetze und vor allem, welche Schmerzen ich mir selbst hätte ersparen können. Ich bin gewalttätig im Affekt und dieser Affekt tritt nur dann auf, wenn ich angegriffen werde. Meine Gewalt ist rein und sie dient dem Schutz. Niemals würde ich sie einsetzen um jemanden aktiv anzugreifen. Ich möchte wieder ein Krieger sein, denn ich kämpfe für etwas Gutes. Ich muss nur endlich wieder meine Waffen aufnehmen.
Raphael ist offline  
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Alt 24.11.2009, 13:41   Gedanken zur Gewalt Beitrag #2 (permalink)
melpomene
Erfahrener Benutzer
 
Benutzerbild von melpomene
 
Registriert seit: 15.09.2009
Ort: Wien
Beiträge: 3.553
Zitat:
Zitat von Raphael Beitrag anzeigen

Ja, ein Pazifist kann man sein und man sollte es auch, jedoch ist, um den Frieden zu wahren, auch manchmal Krieg notwendig. Heute frage ich mich, wie vielen Menschen ich längst aus ausweglosen Situationen hätte helfen können, wenn ich nur zugelassen hätte, dass ich dem Bösen Gewalt entgegensetze und vor allem, welche Schmerzen ich mir selbst hätte ersparen können. Ich bin gewalttätig im Affekt und dieser Affekt tritt nur dann auf, wenn ich angegriffen werde. Meine Gewalt ist rein und sie dient dem Schutz. Niemals würde ich sie einsetzen um jemanden aktiv anzugreifen. Ich möchte wieder ein Krieger sein, denn ich kämpfe für etwas Gutes. Ich muss nur endlich wieder meine Waffen aufnehmen.
....................

Es ist natürlich gut, dass Du dieses Thema zur Sprache bringst, aber es ist ein heikles Thema und führt oft zum Streit. Aber vielleicht kann man es trotzdem in dieser heilen Umgebung wagen.

Ich habe bis vor kurzem Gewalt abgelehnt, auch in der Sprache in Foren.
Von mir kam keine Gewalt, so dachte ich, schließlich war es ja nur meine Meinung, was ich geschrieben hatte und ich habe auch niemanden persönlich angegriffen. Manche glaubten sich auf den Schlipps getreten, was ich nicht in dieser persönlichen Form gmeint habe. Schließlich kann man ja diskutieren, Gegenargumente bringen. Doch diese Menschen konnten oder wollten es nicht und sie griffen jeden, der nicht ihrer Meinung war, persönlich an. Und diese aggressiven oder unfähigen Leute haben auch ihre Helfershelfer.

Der Rede kurzer Sinn, meine Schlüsse aus dem ganzen Dilemma: Es gibt nur das Ausweichen.

Und bei der körperlichen Gewalt? Da ist es natürlich noch schwieriger.
Du kannst Dich nicht in eine Gewaltszene stürzen, die für Dich aussichtlos ist. Das musst Du natürlich sofort abchecken. Nur wenn jemand in Lebengefahr ist, darfst Du helfen, indem Du sein Leben schützt.
Allerdings musst Du damit rechnen, dass Du Deines riskierst. Ob ein gutes Zureden hilft, ist in Erwägung zu ziehen. Das wäre natürlich die bessere Methode. Oder irgendein Ablenkungsmanöver.

Es ist riskant sich verbal zu wehren, aber noch riskanter seine Faust oder Waffe einzusetzen.

Ist man selber in Gefahr und ist noch ein Fluchtweg offen, dann muss man weglaufen oder schreien. Auch meine Faust nützt mir nichts, wenn der andere ein Messer zückt. Auch ein Pefferspray ist nicht immer zur Hand, wenn ich gefesselt werde. Auch den Räuber solle man beser laufen lassen.
Eine volle Geldbörse und Dokumente in der Handtasche zu haben ist sowieso nicht klug. Aber das kann man ja nachschaffen, doch sein Leben nicht.

Das beste ist noch immer eine gewisse Vorsicht walten zu lassen. Man kann heutzutage - leider - als alleinstehende Frau eben nicht mehr allein im Wald spazierengehen - so traurig es ist - man trifft auch mit einer Freundin zusammen noch genug Männer, die einen belästigen, aber zu zweit ist es doch nicht ganz so gefährlich.

Und in der Nacht bleibt man lieber zu Hause, wenn man keine Begleitung hat.

Es gibt - so sieht es aus - nur eine Möglichkeit der Gefahr aus dem Weg zu gehen und sich mit komischen Männern auf kein Gespräch einzulassen.

Leider kann man da keinen allgemeinen Rat geben, doch ist es immer gut rechtzeitig die Flucht zu ergreifen oder wenn möglich in eine Menschenmenge einzutauchen.

Und sich mit einem Mann, den man nicht kennt, einzulassen, heißt immer sich in die Höhle des Löwen zu begeben. Will ja niemanden Angst machen, doch Gefahren gibt es eben, besonders aber in einer Großstadt.



LG melpomene
melpomene ist offline  
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Alt 24.11.2009, 14:01   Gedanken zur Gewalt Beitrag #3 (permalink)
Shuichi
Ursache
 
Benutzerbild von Shuichi
 
Sternzeichen: Zwillinge
Registriert seit: 02.04.2007
Ort: Berlin-Reinickendorf
Alter: 26
Beiträge: 5.333
Das Thema ist wirklich schwer - besonders, da das Wort verteidigen so inflationär gebraucht wird, dass es schon an Bedeutung verloren hat. Die Amis und wir verteidigen in den muslimischen Ländern unser Öl, der Proll auf der Straße verteidigt seine Ehre, weil ihn jemand schief angeschaut hat, der nächste verteidigt sein Ego, weil es angegriffen wurde (zum Beispiel, weil die Freundin schluss gemacht hat, so wie es im Beispiel oben der Fall gewesen sein könnte). Irgendwie verteidigen sich ja alle - nur wer greift an, wenn alle sich verteidigen?

Das beste ist, wenn jeder so oft wie möglich aufhört sich unnütz zu verteidigen. Man kann Angriffsenergie gut umlenken (ob verbal, körperlich oder auch in größerem Maße).

Grüße Shuichi
Shuichi ist offline  
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Alt 24.11.2009, 14:49   Gedanken zur Gewalt Beitrag #4 (permalink)
Inora
Liebe hat lange Fäden
 
Benutzerbild von Inora
 
Registriert seit: 15.10.2008
Beiträge: 1.755
Blog-Einträge: 73
Ich sehe es so:
Reaktionen auf Gefahrensituationen lassen sich von einem normalen Bürger nicht planen oder steuern.
Es kommt wie es kommen muß, denn alles hat seinen Sinn.

Erst, wenn echte Gafahr droht, wird man wissen, wie man reagieren und handeln wird.

Ich gebe zu, das Thema ist so beschwerlich für mich, dass ich damit im Augenblick überfordert bin.
Es macht mir Sorge und Angst zugleich.

Gäbe es keine Kriege und keine Gewalt, müsste man sich nicht um solche Themen kümmern.
Leider sind wir Menschen noch nicht so weit, um von uns behaupten zu können:
*Wir alle leben in der göttlichen Liebe!* ... denn dann wäre dieses Thema überflüssig.

Das Leben ist so geplant, dass darin beides vorkommt: *Liebe und Gewalt*.
Ob gedanklich, verbal oder auch körperlich.
In uns Menschen sind beide Energien verankert.

Ich hoffe für uns alle, dass wir unsere Energien sinnvoll einsetzen, und dass
wir alle im Laufe der Zeit erkennen, auf was es wirklich ankommt.
Inora ist offline  
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Alt 24.11.2009, 16:12   Gedanken zur Gewalt Beitrag #5 (permalink)
Raphael
Banned
 
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Sternzeichen: Fische
Registriert seit: 05.11.2005
Ort: NRW
Alter: 27
Beiträge: 312
Was mich wirklich wundert ist, dass ihr alle dieses Thema als etwas Heikles betrachtet, dass man offenbar nur mit der Kneifzange anpacken dürfte. Das zeigt mir klar und deutlich, dass hier einfach gesellschaftliche Tabus am Werke sind und bevor man sich auf eine unvoreingenommene Diskussion über dieses Thema einlässt, sollte man sich dieser Tatsache bewusst sein, sonst werden diese Tabus nur in der Diskussion weitergeführt. Die Gedanken sollten doch frei sein oder? Sind sie es wirklich? Glaubt ihr, eure Gedanken sind frei?

Was mich letztlich bewegte diese Zeilen zu schreiben ist, dass ich inzwischenn immense Wut angestaut habe. Ich bin immer ausgewichen, habe versucht die Situationen mit Liebe zu lösen aber dennoch werde ich ständig angegriffen. Ich weiß auch, warum das so ist: Ich bin ein Opfer. Unfähig gemacht mich zu wehren und aus diesem Grund habe ich so lange den Weg der Liebe verfolgt und das war auch gut so aber aus dieser Opferrolle kann ich so nicht entkommen.
Was mir von Tag zu Tag klarer wird ist, dass wir alle entmündigt worden sind. Auch hier spielen Religion und Politik ne sehr große Rolle aber über die wenigen Jahrtausende der scheinbaren Zivilisation wurde der natürliche Trieb sich gegen Widerstände zur Wehr zu setzen Schritt für Schritt unterwandert und, auch wenn das sicher streitbar ist, ich gehe heute davon aus, dass auch die Esoterikszene letztlich unwissend ein Werkzeug dieser Unterwanderung ist. Warum läuft denn alles in der Welt so schief? Warum leben wir in einer globalen Diktatur, geführt von wenigen Mächtigen? Weil die große Masse unfähig gemacht wurde sich zu wehren. Die Moral, und das wusste schon vor kanpp 2600 Jahren Laotse, ist das beste Mittel um eine Gesellschaft zu kontrollieren. Ich bitte darum, vielleicht mal den Moralaspekt aus der Diakussion zu verbannen und einfach die Gewalt als das zu betrachten was sie in Wirklichkeit ist: ein grundlegender Selbsterhaltungstrieb, der natürlich und über viele Millionen Jahre entstanden ist. Erst die Zivilisation in ihren wenigen tausend Jahren und das Machtdenken hat aus diesem nützlichen und berechtigten Werkzeug eine Waffe gemacht, die von allen verteufelt wird.

Ich suche den Weg zurück zu mir aber mir ist klar geworden, dass das nicht bedeutet nur Licht und Liebe auszustrahlen. Das wäre scheinheilig. Nein, ich suche den Kern meines Wesens und der ist auch roh und natürlich aber keineswegs etwas, das man verurteilen dürfte.

Inora, um darauf nochmal einzugehen - du hast vollkommen recht. Wir sind nicht soweit aber die Menschheit wird auch niemals soweit sein, wenn sie sich nicht erkennt und betrachtet was sie ist. Tiere mit dem Werkzeug des Bewusstseins. Affen mit Atombomben. Verdrängt man die evolutionären Wurzeln, verdrängt man einen Teil des eigenen Wesens.

In einer Diskussion mit einem sehr guten Freund sagte ich mal: "Ich denke, dass diese Welt ein Spielplatz ist." Er sagte: "Ja, das ist richtig aber vergiss nicht, dass es auch ein Schlachtfeld ist!" Es gibt Krieger, die hier kämpfen müssen. Vielleicht auch, damit es andere nicht müssen aber letztlich spiegeln auch diese Krieger nur den Konflikt im innern eines jeden Menschen wider.

Suichi - naja, das mit dem verteidigen ist wohl wahr. Dahinter steht nur jede Menge Dummheit und schlechte Erziehung. Ich denke, dass man klar defnieren kann, was vernünftige Verteidigung ist und oftmals ist es wirklich so, dass, wenn man sich einfach umdreht und geht, es die beste Verteidigung ist.

Ich würde gerne wissen, was ihr von diesem Satz haltet und man möge in aller Konsequenz drüber nachdenken:

"Es gibt nur solange Täter, wie es Opfer gibt."

liebe Grüße - Raphael
Raphael ist offline  
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Alt 24.11.2009, 16:38   Gedanken zur Gewalt Beitrag #6 (permalink)
Gast9888
Gast
 
Registriert seit: 17.04.2008
Beiträge: 0
Lieber Raphael,

ich wundere mich auch gerade, wieso Gewalt als etwas heikles angesehen wird. Es gibt immerhin nicht nur die physische Gewalt, sondern auch die psyschiche, Mobbing ist das Modewort für die Gewalt von heute.
Jemanden einfach so eins auf die Nuss zu geben birgt heute die Gefahr einer Anzeige, aber in einem Grüppchen schön einen Einzelnen zu quälen, das macht Spass und baut zudem eigenen Frust ab

Ich selbst kam als Kind nach Hause und weinte, man hätte mich verhauen. Mein Vater erhob den Finger und sagte mir, wenn ich noch einmal heulend nach Hause käme weil man mich verprügelt hätte, dann gäbe es zu Hause noch mehr Dresche

Ojeh, es folgten unzählige Kloppereien und die letzte war vor ca. 18 Jahren, dann endlich schwor ich mir sämtlichen Streit aus dem Wege zu gehen und nur noch im äussersten Notfall Gewalt anzuwenden.

Die Angst trieb mich immer weiter, ich hatte Kloppereien, wo ich nie eine Chance hatte, doch die Angst brachte mich immer auf die "Siegerstrasse", für einen groben Klotz hatte ich immer einen noch gröberen Keil parat! Auch heute noch habe ich manchmal in irgendwelchen Situationen Angst vor mir selbst, bei einem Streit mit einem Vorgesetzten oder so, diese Angst erhielt mich bis heute am Leben, denn wer Angst vor dir hat, der tut dir nichts! Mobbing war deswegen niemals ein Thema bei mir

Übrigens zu deiner Hilfe an der jungen Dame:

Mein Bruder erlebte das einmal, da schlug ein Mann eine Frau und er griff ein, nur um am Ende von allen Beiden Dresche zu bekommen

Alles Liebe, Raldi
Gast9888 ist offline  
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Alt 24.11.2009, 21:53   Gedanken zur Gewalt Beitrag #7 (permalink)
Shuichi
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Benutzerbild von Shuichi
 
Sternzeichen: Zwillinge
Registriert seit: 02.04.2007
Ort: Berlin-Reinickendorf
Alter: 26
Beiträge: 5.333
Heikel ist das Thema nicht - es ist nur nicht so einfach, weil es eben sehr komplex ist.

Zitat:
"Es gibt nur solange Täter, wie es Opfer gibt."
Dem stimme ich zu, da viele Täter eben vor allem auch mal Opfer waren und es eigentlich noch sind.

Es gibt ja die drei Typen:

Helfer hilft dem Opfer, bekommt aber keinen Dank, also wird der Helfer zum
Opfer fühlt sich als Opfer - will aber irgendwie raus, also wird es zum Helfer oder zum
Täter sieht sich gern als Retter bzw Helfer

Die wandeln sich immer gerne ineinander um.

Der Asuweg heißt: Mach keins von den dreien, werde Held. Held sein heißt aber bewusst Sein und das heißt Verantwortung übernehmen - ist alles nicht leicht, und wirkt von den dreien aus äußerst unattraktiv.

Da spielt dann auch Moral eine eher untergeordnete Rolle. Wenn, dann ist es die eigene, die aus Bewusstheit und Verantwortung erstellt wurde.

Grüße Shuichi

Geändert von Shuichi (24.11.2009 um 21:57 Uhr)
Shuichi ist offline  
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Alt 24.11.2009, 22:17   Gedanken zur Gewalt Beitrag #8 (permalink)
Raphael
Banned
 
Benutzerbild von Raphael
 
Sternzeichen: Fische
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Ort: NRW
Alter: 27
Beiträge: 312
Mensch Raldi, du bist ja 'n harte Hund ;-)
Aber es ist schon sehr interessant und wichtig was du da ansprichst, denn meine Eltern haben in meinen Augen den Fehler gemacht mir diese Kloppereien zu verbieten. Klar, alles hat seine Gründe und so aber insgesamt merke ich, dass mir dadurch etwas gefehlt hat was im Grunde ganz natürlich gewesen wäre. Macht- und Rangkämpfe sind für die Persönlichkeitsbildung schon was wertvolles. Gut, muss ich heute nicht mehr dafür nutzen um mich zu profilieren und daher war es vielleicht gut, erstmal ohne Gewalt ins Leben zu starten aber wer weiß was aus mir schon geworden wäre?

Das mit der Angst finde ich ein bisschen zweischneidig. Ich will nicht, dass jemand Angst vor mir hat. Ich würde sowas nicht ausstrahlen wollen aber wenns drauf ankommt sollten die Leute hinterher Angst haben. Ein guter Krieger versteckt seine Stärke auch gerne.

Suichi - Nun ja, Held werden ist nicht einfach, da hast du schon recht. Letzlich läuft es ja darauf hinaus, sich aus dem Täter-Opfer-Spiel auszuklinken aber dafür muss man konsequent sein. Ja, man muss Verantwortung übernehmen, dann kann man aus der Opferrolle raus. Vorher sollte man nicht heulen, dass man ein Opfer ist. Gibt es eigentlich einen anderen Weg aus dieser Falle außer dem SelbstBewusstsein und der Eigenverantwortung?

liebe Grüße - Raphael
Raphael ist offline  
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