Hallo Ihr Lieben,
ich bin seid einigen Tagen neu hier und habe die erste Zeit nur gelesen. Da es mir momentan aber sehr schlecht geht, möchte ich Euch lieber schreiben und um Rat fragen.
Dies ist meine Geschichte:
Ich bin 46 Jahre alt, weiblich, verheiratet und Mutter von vier Kindern. Zwei erwachsene Söhne, sowie 13 jährige Zwillinge. Ich habe leider kein leichtes Leben hinter mir, das Schicksal hat es nie gut mit mir gemeint. Aber ich habe alle Tiefen überlebt und bin an ihnen gewachsen, so daß ich mich heute eigentlich für eine starke Frau halte.
Vor einiger Zeit lernte ich über ein Forum eine 41 jährige Frau kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und es entwickelte sich langsam und beständig eine Freundschaft. Da wir nur etwa 100 Kilometer auseinander wohnen, konnte man sich auch ab und zu mal treffen, oft gemeinsam mit anderen Forumlern. Es war nichts besonderes, sie war mir einfach sehr sympathisch und wir ließen den Dingen ihren Lauf, so daß aus Sympathie irgendwann Freundschaft wurde.
Im März diesen Jahres dann spürte ich, daß mir diese Frau wesentlich wichtiger war, als alle anderen Freundinnen die ich bisher hatte. Meine beste Freundin, die ich seid 17 Jahren kenne, war auf einmal weniger wert. Ich dachte mir, wie kann das sein und konnte mich selber nicht verstehen.
Unsere Beziehung wurde von Woche zu Woche intensiver. Mail, Chat, sms, Telefon es wurde immer öfter und nach einer Weile merkte ich, ich hab diese Frau ja lieb. Das hat mich erstmal total verwirrt, da ich in keinster Weise lesbisch bin, wie kann es das also geben, daß ich ihr mehr Gefühle entgegenbringe als meiner besten Freundin? Und zwar um Längen mehr. Ich fühlte mich eigentlich nur noch richtig wohl wenn ich in irgendeiner Form Kontakt zu ihr hatte, sei es nun persönlich oder schriftlich wie auch immer. Auf einmal spürte ich den Wunsch alles von ihr zu wissen, ab Anbeginn ihrer Erinnerungen, restlos alles und so detailiert wie möglich. Wenn ich wußte ihr ging es nicht gut, hab ich gelitten, ich wollte immer für sie da sein, ihr helfen. Da begannen eigentlich schon ein paar Schwierigkeiten, weil sie es nicht gewohnt ist sich helfen zu lassen. Sie ist es sogar schwer gewohnt ihre Sorgen zu erzählen, mit jemanden zu teilen. Außerdem hält sie ihre Gefühle für nicht allzuwichtig und sorgt und kümmert sich lieber um alle anderen. Einer ihrer Sätze: "Wenn die anderen glücklich sind, dann bin ich das auch".
Ich drücke es mit meinen eigenen Worten gern so aus: Sie kann wunderbar geben und miserabel nehmen.
Wir suchten die Nähe des anderen, wir unternahmen gemeinsam einen Wochenendausflug, wir fühlten uns einfach nur wohl miteinander, wir konnten herrlich gemeinsam lachen, blödeln, über Gott und die Welt reden, es war wie ein Zauber. Irgendwann merkten wir beide es ist Liebe, aber eben keine körperliche Liebe mit Schmetterlingen und allem was dazu gehört. Einfach Liebe....wunderbar und doch so seltsam. Es begannen einige Wochen des Suchens, was mit uns los ist, was das nun wird, ob wir verrückt werden usw.
Während dieser Wochen wurde er Kontakt immer enger, es verging kein Tag ohne Chat, ohne viele sms und immer wieder trafen wir uns in der Mitte unserer Wohnorte und verlebten herrliche Abende, bei denen wir vor lachen oft Bauchweh hatten, die aber auch geprägt von vielen ernsten Themen waren.
Pfingsten fuhr ich dann mit meiner Familie für 2 Wochen in Urlaub und zum Glück dachte ich soweit voraus den Laptop mitzunehmen, denn der Urlaub wurde zum einzigen Fiasko. Wir vermissten uns in einem Ausmaß das ich nicht beschreiben kann. Wir schrieben uns den ganzen Tag unzählige sms in denen wir uns erzählten wie sehr wir uns fehlten und daß das ja nicht normal sei, aber einfach wirklich so ist. Wir schrieben immer wieder wir möchten uns nur festhalten. Sie schriebe, sie fühlt sich bei mir, als wäre sie zuhause angekommen, ich schrieb ihr, ich hätte das Gefühl sie ist der Teil der mir immer gefehlt hat. Der Urlaub war ein einziges Trümmerfeld und ich weiß nicht wie oft ich ihn einfach nur abbrechen wollte. Aus Rücksicht auf meinen Mann und den Zwillingen hab ich es dann so gut es ging durchgezogen, aber nach den 14 Tagen war ich ein seelisches Wrack. Ihr ging es daheim übrigens ganz genau so, sie erzählte mir, sie wisse gar nicht wie oft sie gedacht hat: "Schluß aus, nächster Flieger ich flieg hin und hol sie".
Im Urlaub gab es dreimal im Chat eine winzige Kleinigkeit, ein falsch verstandener Satz, ein krummes Wort, nichts schlimmes, aber dennoch waren wir am Ende, es war als würde die Welt einstürzen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich kenne Meinungsverschiedenheiten und Streits in allen Facetten, aber bei so einer Kleinigkeit so eine verzweifelte und traurige Reaktion von sich selber zu erfahren, das war mir vollkommen neu.
Nach dem Urlaub war nichts mehr wie vorher. Wir hatten eigentlich gehofft daß die Sehnsucht nacheinander wieder aufhören würde, wenn ich wieder zuhause bin, aber das passierte nicht. Sie wurde zwar ein klein wenig besser, aber das war bald wieder wie ein Wassertropfen auf einem heißen Stein. Wir trafen uns, verlebten einen wunderschönen Nachmittag und Abend und bei der Trennung tat es weh als würde ich geteilt werden. Die Kilometer im Auto nach Hause waren die reinste Folter für mich und ihr ging es ebenso.
Letzten Freitag dann ging sie mit ein paar Freundinnen fort und wollte nicht, sie wollte zu mir, bei mir sein und es war einfach schwer überhaupt etwas mit anderen zu machen. So geht es mir auch ständig, mich zieht es nirgendwo mehr hin, nur zu ihr. Während sie dann abends weg war, gab ich im google irgendein Schlagwort ein über intensive Beziehung und fand eine Seite über
Dualseelen. Alles was ich dort las, ließ mich erschaudern, weil alles was da stand stimmte, genau so fühlten wir. Es war für mich ein Aha-Erlebnis das mich umhaute. Ich mußte mich beherrschen um ihr nicht sofort eine sms zu schreibe, daß sie heimkommt und liest.
Wir lasen dann am Ende des abends noch gemeinsam im Netz und konnten immer nur zustimmend nicken. Das Gefühl beim anderen daheim zu sein ist so stark das kann ich nicht in Worte fassen. Wenn ich ihr in die Augen blicke, habe ich das Gefühl ich kann bis in ihre Seele schauen. Wenn sie mich im Arm hat, werde ich so ruhig wie nie zuvor in meinem Leben, wenn wir uns trennen müssen zerreißt etwas in mir und ich denke ich halte diese Schmerzen nicht aus. Ich weiß nicht wie oft wir gemeinsam genau das gleiche gedacht und gesagt haben usw.usw....
So jetzt hatten wir also endlich einen Namen, ihr glaubt nicht welche Sicherheit das auf einmal gab, denn ich hielt mich ja wirklich schon für verrückt. Endlich konnte man lesen, was ist anderen passiert, wie geht man damit um. Allerdings ist das lesen auch nicht immer einfach, viele Dinge die ich gelesen habe, haben mir Angst gemacht, am meisten die Trennung.
Momentan haben wir einige Schwierigkeiten, mein Mann versteht wirklich viel und unterstützt mich, ihr Mann tut sich da leider nicht ganz so leicht, sein ganzes Weltbild wurde verruckt und er hat Angst seine Frau zu verlieren, was nun natürlich Druck erzeugt. Leider kann sie mit Druck gar nicht umgehen und so haben wir die nächsten Probleme. Wie jeweils zwei Welten unter einen Hut kriegen?
Wir hatten wirklich schwierige Tage hinter uns gebracht und trafen uns gestern nachmittag. Bisher waren wir immer irgendwo in einem Bistro, einer Kneipe oder ähnlichem. Gestern fuhren wir in den Wald, liefen gemeinsam spazieren und setzten uns dann auf zwei alte Stühle die an einem leeren Fußballfeld standen. Und dann kam etwas das ich versuchen möchte so gut es geht zu beschreiben:
Wir hielten uns nur in den Armen und die Welt veränderte sich. Ich war daheim, ich war ruhig wie nie zuvor. Ich muß dazu sagen, ich hab Probleme mit dem Herzen und immer wieder Rhythmusstörungen, aber so ruhig wie mein Herz schläft wenn ich sie im Arm habe, das Gefühl als wäre es neu geboren worden. Der Atem verlangsamt sich, die Hintergrundgeräusche verschwinden, ich fühle mich voll und ganz und alles. So saßen wir lange Zeit, wenn wir uns nicht umarmt hatten, dann hielten wir uns an den Händen, diese Vertrautheit ist einfach...ich finde keine Worte dafür. Wir liefen wieder ein Stück weiter, wieder stehenbleiben, sich in den Arm nehmen und nur nach innen fühlen. So standen wir dann auch noch lange Zeit vor unseren Autos und die Trennung war wahnsinnig schwer.
Auf dem Heimweg passierte mir das was mir immer passiert, gewaltige Sehnsucht, diesmal noch viel schlimmer. Ihr passierte es diesmal nicht, sie kann auch heut noch nicht erklären was los ist. Sie sagte mir, es war der Himmel als wir zusammenwaren und sie hat auf die Hölle gewartet am Heimweg die nicht kam. Sie fühlt sich komisch, weiß nicht warum und seid heute haben wir es sehr schwer, weil ich unten in der Hölle bin und Qualen leide, während sie "deckelt" also dichtmacht. Kann mir einer von Euch erklären was passiert ist?
Heute bekam ich von ihr ein Buch: "Der Seelenvogel" mit einer Widmung drin, die mich zu Tränen gerührt hat. Ich liebe sie aus tiefster Seele, es ist die reine Liebe aus mir selbst die ich fühle. Doch was ist es? Ist sie meine Dualseele oder am Ende ganz was anderes? Und wie kann es weitergehen? Ich sehe uns irgendwie in der Schwebe, sie hat mir auch vorhin eine Mail geschrieben daß sie denkt ihr ist es zuviel an Plänen, lesen, Treffen, Themen....wie soll ich reagieren? Habt Ihr einen Rat für mich?
Ich danke jedem der bis hierher gelesen hat, ich wußte nicht wie ich die ganze Geschichte kürzer erzählen sollte. Und ich bin mehr als dankbar wenn ihr irgendeinen Rat für mich/uns habt, wir stehen noch ganz am Anfang an einem vollkommen neuen Leben, etwas das wir nie für möglich gehalten hätten, wie gehen wir damit um....
Lieben Gruß
Soulbird