Tja,
wo soll ich anfangen und wo soll ich aufhören. Das wird jetzt lang ;(
Gleich vorneweg: Ich bin mit meinem Leben glücklich. Es war ein langer Weg dahin, ich hatte mit Tod und Verlusten zu kämpfen, aber ich habe es geschafft. ich habe einen tollen Job der mir Spaß macht in einem wissenschaftlichen Bereich. Ich gehe darin völlig auf. ich habe liebe Freunde, meine Familie fängt ich auf wenn ich das will. Ich habe keine Geldsorgen oder schlimme Krankheiten. Ich weiß zu schätzen was ich habe und wer ich bin. Wenn es ein Problem gibt, fange ich nicht an an Selbstmord zu denken sondern packe es an.
Ich habe Hobbies die mich erfüllen und ich glaube an Liebe, an Licht, an mehr als das Greifbare.
Eigentlich, so lange wie ich denken kann, hab ich ein „Gespür“ für Dinge.
Manchmal, oft, wahrscheinlich viel zu oft, verlasse ich mich nicht darauf. Soll heißen, eigentlich weiß ich schon was das Ende vom Tag bringen wird wenn ich morgens aufstehe, ignoriere und verdränge das aber und renne dann doch in jede „Falle“.
Nehmen wir an ich wüsste ich würde vor einen Baum fahren- ich würde trotzdem nicht den Zug nehmen.
Sehr oft in meinem Leben haben sich Dinge bewahrheitet, die ich geträumt habe. Um das besser nachzuvollziehen führe ich ein Traumtagebuch.
Angefangen von Lappalien die Benzinpreise betreffen bis hin zum Tod einer Nachbarin. Meine Träume sprechen dabei relativ zweideutig, am Ende, wenn die Ereignisse eingetreten sind gibt aber alles einen Sinn.
Vielleicht sollte ich versuchen zu lernen meine Traumszenen besser zu deuten. Das soll aber nicht das Thema sein.
Vor 10 Jahren im Sommer habe ich meinen Führerschein gemacht. Mein Fahrlehrer war gerade mal 6 Jahre älter als ich.
Ich fühlte mich ihm sofort verbunden, verliebte mich, begehrte ihn nahezu- aber es wurde nie was daraus, auch weil er nie was mit Schülerinnen anfangen wollte und meines Erachtens auch nie hat.
Er wohnt übrigens keine 5 Minuten von meinem Elternhaus.
Mich trieben berufliche Wege eine ganze Weile von zu Hause und damit auch von ihm weg. ich hatte in den letzten 10 Jahren Beziehungen, nicht nur eine, ich ging meines Weges.
Aber wie soll ich das erklären….er war immer irgendwie „präsent“. Es verging kaum eine Woche in der ich ihn nicht zufällig irgendwo gesehen hätte, auf dem Weg zum Einkaufen, zu meinen Freund, auf den Weg zur Arbeit oder sonst wohin.
Wir haben uns immer nur gesehen, nie miteinander geredet (weil jeder in seinem Auto saß)
Ich weiß nicht mehr genau wann, vielleicht vor 2 Jahren, vielleicht weniger Zeit- verschwand er plötzlich aus meinem Blickfeld- er hatte ein anderes Auto gekauft und scheinbar den Beruf gewechselt- ja ich ging sogar davon aus, dass er umgezogen war.
Vor 1 Jahr habe ich meine letzte Beziehung beendet. Es ging mir sehr schlecht, ich musste mich erst mal mit mir selbst beschäftigen, mich selbst zusammenfli cken. Männer waren für mich kein Thema.
Dann kam ein Tag im Frühling an dem ich krank wurde und zum Arzt fahren musste. Auf dem Rückweg stand ich an einer Kreuzung und starrte gedankenverloren daher.
Da bog ein Firmentransporter um die Ecke und der Mann winkte mir zu. Ich habe ihn nicht erkannt, aber sofort gespürt wer da ist.
Ich habe ihn sofort auf einer der gängigsten Internetplattformen gesucht (das hatte ich davor auch schon mal, ihn aber nie gefunden) und wie sich rausstellte war er noch keine 4 Wochen angemeldet.
Sofort habe ich ihn angeschrieben und bekam ein paar Tage später eine Antwort. Eigentlich gings nur um hallo wie geht’s und wo er jetzt arbeitet.
Dann musste ich aus beruflichen Gründen nach Berlin und war ein paar Tage nicht zu Hause.
Und da passierte es das erste Mal. Ich träumte von ihm.
Der Traum war so echt, so realistisch, so unglaublich wirklich, dass ich morgens aufwachte und lange nicht begreifen konnte, dass ich nur geträumt habe. In diesem Traum war vor allem eins präsent: verlangen und Sehnsucht nach ihm, quälende, tiefe Gefühle aber auch Glückseligkeit.
Von da an wusste ich, er gehört zu mir, ob ich das will oder nicht.
Es folgte eine wirre Zeit, ein wirrer Frühling und Sommer.
Mit vielen „Zufällen“. Plötzlich sah ich ihn täglich, täglich mehrmals, er fuhr oft an meinem Haus vorbei, oft immer genau dann wenn ich es gerade verließ aber nie zur gleichen Uhrzeit.
Es stellte sich raus das ich als Kind öfter in seinem Elternhaus war.
Ich begegnete ihm oft, wir unterhielten uns sogar, irgendwann fragte ich ihm nach einem Date aber es kam nie dazu.
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass er vor irgendwas Angst hat und mittlerweile ahne ich- nein- weiß ich- was es ist. meine Gefühle. Dass ich so wahnsinnig viel für ihn empfinden kann und übermitteln kann und das er genau so gut wie ich weiß, wie glücklich wir wären. Aber er weiß auch, wie verletzbar er dann wäre und er hat Angst, dass ich ihn verletze.
Das ist zumindest das, was mein Herz mir sagt.
Ich bin ein rationaler Mensch.
Wenn jemand nicht in mich verliebt ist- ist er es eben nicht. Das mag weh tun wenn man in diese Person verliebt ist aber jemanden zu was zwingen- nein, danke. Was nicht zusammen passt, passt eben nicht.
Versteht mich nicht falsch, ich fühle, spüre, begehre und trage sehr, sehr viel Liebe in mir aber genau diese ganze Liebe bewirkt, dass ich nur das „Beste“ für meine Mitmenschen will und lieber auf meiner Seite zurückstecke. Daher käme mir nie in den Sinn jemanden zu bedrängen er möge mich endlich lieben….
Es verging der Sommer und es wurde Herbst.
meine Träume wurden nicht anders. Ich träumte immer öfter und immer intensiver von ihm.
Normalerweise reißen mich Träume nicht so um- ich träume ja auch mal völligsten Blödsinn. Schweißnasse Albträume sind mir was gänzlich Fremdes.
Aber was ich von ihm geträumt habe, das hat mir fast den Verstand gekostet.
Dabei war es nichts Schlimmes oder angsteinflößendes, sondern es herrschte Nähe, Geborgenheit, große Liebe, Vertrautheit….
Diese Träume sind für mich teilweise jetzt noch so real wie damals. ich weiß wie er riecht, wie er redet, wie er schmeckt.
Der Kontakt flaute aber trotzdem ab- teilweise weil ich es so wollte. Von ihm kam niemals ein Signal dass er mich auch begehren würde, mich auch interessant fände usw. Es blieb immer bei Smalltalk, der mir hinterher die Tränen in die Augen treib.
ich erlitt nicht nur seelische Schmerzen durch all das, mein Körper tat mir auch weh.
ich versuchte mich abzulenken indem ich mit anderen Männern ausging- brachte nichts.
Und dann kam der 01.12.10.
Der Tag an dem er sich wieder, nach vielen Wochen und von sich aus, bei mir meldete.
Und mich fragte ob ich mit ihm ausginge.
Was ich eine Woche später tat.
Und es war…Gott, es war alles, es war nichts, es war wie ein Traum, perfekt, einzigartig, unvergesslich und am Ende doch ein ganz normaler Abend.
Es kam dabei auch raus, dass er eigentlich schon 4 Jahre solo ist und von Frauen sehr verletzt wurde.
So lange hatte ich darauf gehofft und als es passierte konnte ich es nicht mal glauben.
Und es hat sich völlig anders zugetragen, als ich „gefürchtet“ hatte:
Wir haben uns sehr gut verstanden, sehr viel miteinander gelacht und es kam sogar dazu, dass er mich nach einem zweiten Treffen fragte.
Zudem es aber nie kam. Er meldete sich nicht mehr bei mir, ging auf Abstand.
Ich suchte ihn paar Tage später auf und um es kurz zu machen er drückte sich sehr zweideutig aus. Im Großen und Ganzen glaube ich immer noch, dass er sich zwar sehr zu mir hingezogen fühlt aber einfach Angst hat.
Ich habe dann einen „Radikalschlag“ versucht in dem ich mich meines Alters entsprechend sehr untypisch verhalten habe und eine dritte Person, die mit ihm verwandt ist, um Rat gefragt habe.
Diese Person sagte mir dann quasi, dass seine Gefühle für mich nicht reichen.
Eine Welt lag für mich in Scherben.
Das war kurz nach Neujahr.
Und seit dem fressen mich meine Träume auf.
Ich träume jetzt nicht mehr von Sehnsucht sondern ich träume, dass wir zusammen sind, dass wir uns lieben, uns achten, uns begehren- es herrscht Nähe, Wärme, Vertrautheit und noch viel mehr zwischen uns.
Diese Träume sind so unglaublich echt, so unglaublich schön, dass es mir beinah das Herz bricht.
Eigentlich glaube ich, es ist jetzt gebrochen.
Er hat nicht aufgehört mich zu grüßen.
Ich habe versucht ihm meinen Schmerz klar zu machen und ihm gesagt, dass ich ihn einfach nicht damit nerven möchte, ihn einfach nicht das Gefühl geben möchte er sei an irgendwas Schuld und mich zurückziehen werde.
Keine Reaktion. Bisher hat er nie zu mir gesagt: Hau ab, ich hab kein Interesse.
Eine klare Aussage kam nie.
Ich versuche nun ihn nicht mehr zu sehen, allerdings funktioniert das nicht, wenn er in genau den 5 Sekunden des Tages mein Haus passiert wie ich an der Kreuzung stehe, wie gestern geschehen.
Und genau gestern vor einer Woche hatte ich wieder einen dieser Träume.
In diesem Traum waren wir zusammen, wir waren verbunden, nicht nur äußerlich als Paar sondern auch innen drin. Seine Augen haben mich liebevoll angesehen, wir haben vor Glück gestrahlt, saßen bei Freunden und auch bei seiner Familie am Tisch, haben gelacht und es war alles so echt.
Wenn ich aus solchen Träumen aufwache möchte ich schreien und erstarren vor der kalten und hässlichen Realität. Es ist wirklich so, dass es mir das Herz zerreißt.