Hallo ihr lieben,
ich habe mich hier gerade neu angemeldet, weil mich ein Thema ziemlich beschäftigt.
Es wird ziemlich lang werden, aber vielleicht ist der eine oder andere ja so lieb es durchzulesen...
Das Problem, was ich mit mir rumtrage ist die Beziehung zu einem Freund, die für mich einfach einzigartig ist. Und obwohl ich mich eigentlich nur glücklich schätzen müsste, dass ich ihn kenne, so lande ich nach unseren Treffen doch allzu oft in einem Gefühlswirrwarr, welches ich nicht so richtig deuten kann.
Vielleicht erstmal zur Vorgeschichte:
Ich bin seit fast 7 Jahren in einer Beziehung mit meinem Freund und ich würde unsere Beziehung momentan als erfüllt bezeichnen.
Mein Freund hat u.a. zwei Cousins (Brüder), wovon ich den einen immer mal sporadisch gesehen habe, wir hatten jedoch bis vor ca. drei Jahren nie enger miteinander zu tun. Ich kannte ihn und erst recht seinen Bruder eigentlich nur aus Erzählungen. Das änderte sich dann schlagartig, als er in der gleichen Firma, wie mein Freund anfing zu arbeiten. Auf einmal waren die beiden ganz dicke und er hing ständig bei uns rum, was mich damals ziemlich nervte. Ich gerate ziemlich schnell mit ihm aneinander und er ist recht kompliziert (jedenfalls kommt es mir so vor

).
Dieser Cousin gilt sozusagen als "der Gute" in der Familie, während sein kleiner Bruder eher "der Böse" oder "das schwarze Schaf", in der Familie ist. Eben der, der immer Ärger hat und gleich draufschlägt. So wurde mir immer von ihm erzählt.
Vor zwei Jahren durfte ich ihn dann kennenlernen!
Es war eher Zufall. Mein Freund feierte seinen 30. Geburtstag und lud den einen Cousin, mit dem er zusammen arbeitete ein. Der brachte dann seinen Bruder mit.
Und was soll ich sagen... Vom ersten Moment war da was zwischen uns. Eine tiefe Sympathie. Wir hatten sofort Spaß miteinander. Ich kann so herrlich mit ihm lachen und Spaß haben. Damals wohnte er noch weiter von uns entfernt und wir konnten nur was zusammen machen, wenn er mal zu Besuch bei seinem Bruder war. So sahen wir uns nach dieser ersten Begegnung erst ca. ein halbes Jahr später wieder und hatten dazwischen auch keinen Kontakt. Und wieder war es so, vom ersten Moment an waren wir wieder auf einer Wellenlänge. So sehr, dass eine Tante meines Freundes (es war auf einer Familiengrillfeier) mich fragte, ob ich mich mit meinem Freund gestritten hätte, da die es eben nicht kannten, dass wir mal nicht eng zusammengluckten

Abends sind wir vier dann noch zusammen feiern gegangen und es war, als wenn wir uns schon ewig kennen würden. Mit seinem großen Bruder dagegen gab es Streit, was in der nachfolgenden Zeit häufiger vor kam. Oft auch, weil ich mich mit seinem kleinen Bruder so gut verstehe. Er selbst war jemand, der mir seine Freundschaft anfangs regelrecht aufdrängen wollte, was mich jedoch immer mehr gegen ihn aufgebracht hat, da keine tiefere Basis vorhanden war/ist.
Es folgten noch ein paar Feiern und ein paar Monate später zog er dann mit seinem Bruder zusammen in die gleiche Stadt wie wir. Wo wir allerdings beinahe zeitgleich wegzogen (ca. ne Stunde Fahrt entfernt), was mich damals schon belastete. Für mich war es das Gefühl: er kommt näher und ich ziehe weg. Damals hatte ich das erste mal u.a. durch oder wegen ihm eine depressive Phase. Es war kurz vor unserem Umzug, er wohnte noch nicht in der gleichen Stadt. Wir waren feiern und er übernachtete bei uns. Kaum war er weg brach diese Phase über mich herein. Ich heulte den ganzen Tag und konnte nichtmal erklären warum eigentlich. Diese Phase dauerte ca. 2-3 Wochen an. Wir hatten in der Zeit viel SMS-Kontakt.
Dann folgte unsere Einweihungsfeier. Irgendwann gingen alle Gäste bzw. die die bei uns übernachteten gingen schlafen. Nur wir beide blieben sitzen und fingen an zu reden. Das war das erste mal, dass es über dieses "zusammen Spaßhaben" / feiern hinausging. Er vertraute mir ziemlich persönliche Dinge an und ich ihm genauso. Wir redeten die ganze Nacht hindurch.
Er erzählte mir Dinge, die mir halfen zu verstehen, was in ihm vorgeht, warum er manchmal handelt, wie er handelt, was bei den anderen so negativ aufgefasst wird. Auch wenn ich auch ohne die ausgesprochenen Worte immer das Gefühl des Verständnisses ihm gegenüber hatte. Aber jetzt war es mit Worten greifbar.
Er vertraute mir an, dass er keine Gefühle zeigen könne und was ihm widerfahren sei. Ich hatte in dem Moment (und das habe ich auch heute noch öfter) das Gefühl, die Gefühle spüren zu können, die er meint nicht zu haben. So sagte er z.B. er könne nicht weinen. Ich musste darauf hin aber beinahe weinen, als ob ich an seiner Stelle fühle.
Er dankte mir aus tiefstem Herzen und fragte mich immer wieder "warum hörst du dir das überhaupt an?" Das kannte er bis dahin scheinbar nicht, dass ihm mal jemand einfach zuhört und mit ihm fühlt.
Er lag zwischenzeitlich wie ein Baby mit dem Kopf auf meinem Schoß (soviel zu keine Gefühle zeigen können

).
Er versprach mir in dieser Nacht, immer für mich da zu sein.
Aus dieser intimen und doch sentimentalen Situation heraus versuchte er mich zu küssen, was ich jedoch "liebevoll" abblockte. Es wäre nicht richtig gewesen. Trotzdem konnte ich seine Reaktion in dem Moment nachvollziehen (er meine allerdings auch

).
Am Schluß schliefen wir Arm in Arm auf der Couch ein, bis mein Freund mich "einsammelte" und mit ins Bett nahm. Er hat mir diese Situation nie übel genommen, was ich ihm hoch anrechen. Es ist als ob auch er versteht, dass es sich zwischen uns nur um tiefe Freundschaft handelt.
Von seinem Bruder kam nur abwertend "was soll man denn schon die ganze Nacht zu reden haben!". Ich glaube der kann bis heute die Bindung zwischen uns nicht nachvollziehen.
Seit der Nacht ist es eigentlich schon fast zum Ritual geworden, dass wir die Nacht durch reden, wenn wir uns mal treffen. Alle anderen gehen schlafen, wir sitzen bis in die Morgenstunden und reden. Oder sitzen auch einfach nur da. Als wenn wir uns selbst durch Schweigen verständigen können.
Ich habe ihn schon oft verteidigt, wenn schlecht über ihn gesprochen wurde. Manchma denke ich, dass ich die einzige (zumindest im Familienkreis) bin, die nachvollziehen kann, warum er so ist, wie er ist.
Er gilt bei allen immer nur als "schwarzes Schaf".
Auch lässt er viel von mir zu. Körperliche Nähe war nie ein Problem zwischen uns. Als er Stress mit einem Kumpel von ihm hatte und die beiden sich fast geprügelt hätten, da habe ich meine Arme um ihn geschlungen. Er hat in meinen Armen gezittert aber er ist nicht aufgesprungen um das zu vollenden, was er eigentlich vor hatte.
Für mich ist es, als wenn ich bis in sein Innerstes sehen kann und in gleicher Weise berührt er mich auch in meinem Inneren. Und das tut einerseits so gut (in dem Moment, wo wir zusammen sind) und andererseits schmerzt es mich fast (hinterher, wenn wir nicht mehr zusammen sind).
Ich habe manchmal das Gefühl, ich bekomme Entzugserscheinungen. Wenn wir zusammen sind, alles toll. Und direkt hinterher falle ich in ein depressives Loch. Ich weiß nicht mal warum eigentlich. Es ist doch toll so einen Menschen zu kennen! Und trotzdem ist es hinterher, als ob ich auf Entzug bin

Das braucht dann gut einen Tag, bis es mir wieder besser geht. Es gab eine Phase, wo wir sehr oft was zusammen unternommen haben. Da hab ich es kaum ausgehalten, ihn mal ein Wochenende nicht zu treffen. Habe mich wie blöd drauf gefreut und direkt danach gings mir wieder schlecht. Nur davon aufrechtgehalten, zu gucken wann wir uns wiedersehen und doch zu wissen, dass es hinterher wieder so sein wird.
Da er Anfang des Jahres mit seiner jetzigen Freundin zusammen gekommen ist, hatten wir im letzten halben Jahr sehr wenig, eigentlich fast gar keinen Kontakt. Mal etwas Mailkontakt, der von seiner Freundin aus jedoch "unerwünscht" war. Ich hab zwar immer gehofft, dass sich unser "Verhältnis" wieder intensiviert, merkte jedoch dass es mir andererseits auch wieder gut tat, ihn nicht zu sehen, da mir dieses Gefühlsaufundab erspart blieb. Wie ein Drogenjunkie, der seinen Entzug hinter sich gebracht hat...
Gestern hatte er nun Geburtstag und wir sind eingeladen gewesen. Seine Freundin war nicht dabei und es war wieder wie früher! Wir haben gefeiert und anschließend die Nacht wach gesessen. Obwohl ich mich immernoch frage, was wir die ganze Zeit gemacht haben, denn gesprochen haben wir kaum. Trotzdem verging die Zeit wie im Fluge. Bis wir wieder Arm in Arm eingeschlafen sind.
Jetzt ist es wieder da. Das Gefühl, dass ich einerseits sage "das war toll, genau das haben wir mal wieder gebraucht" andererseits geht es mir seit wir wieder zu Hause sind total dreckig...der Entzug wieder.
Mich macht das noch ganz verrückt. Wie kann ein Mensch einem denn einerseits so gut tun und andererseits dafür verantwortlich sein, dass es mir hinterher so schlecht geht.
Eine Zeit lang habe ich mir auch ernsthaft die Frage gestellt, ob ich wohl in ihn verliebt sei und mich einfach nach "ihm sehen". Aber das ist es nicht! Obwohl ich ihn auch körperlich ansprechend finde (er mich auch

), so ist er überhaupt keine Option für mich. Wir sind Beziehungstechnisch gar nicht auf einer Länge. Das würde nicht gutgehen und das ist auch überhaupt nicht das was ich möchte. Er hat immer wesentlich jüngere Freundinnen und ist auch für Bettgeschichten zu haben, so bin ich nicht.
Wir sind auf den ersten Blick total unterschiedlich (warum viele nicht nachvollziehen können, warum wir uns so nahe stehen) und andererseits wieder total ähnlich. Aber dann auch wieder so als wenn wir uns super ergänzen.
Was ist das für eine Art der Beziehung zwischen uns? Ich bin teilweise echt ratlos, weil ich mich frage ober er mir jetzt eigentlich gut oder schlecht tut...
Bis eben ging es mir wieder schlecht deswegen. Das ganze mal aufzuschreiben tut jedoch sehr gut, wie ich merke!
Einen herzlichen Dank an alle, die sich alles durchgelesen haben und vorallem an die, die vielleicht auch noch was dazu schreiben mögen