Hallo in die Runde,
da habt Ihr ja ein interessantes Thema angefasst. Vielleicht kann ich ja mit ein paar kleineren Anregungen auch etwas dazu beitragen.
Gerade was das Wassermannzeitalter angeht - und dessen genauer Beginn - gibt es nämlich viele verschiedene Ansichten, die teilweise sehr weit auseinandergehen. Das liegt daran, dass die Kriterien, nach denen das Wassermannzeitalter beginnt, sehr unterschiedlich definiert werden.
Die grössten Missverständnisse ergeben sich allerdings dadurch, dass die Stern
bilder (am Himmel) mit den Stern
zeichen (im astrologischen Tierkreis) miteinander verwechselt werden. Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun! Zumindest heute nicht mehr. Denn die Einteilung der Sternbilder (am Himmel) - und dessen Grenzen untereinander - ist noch relativ jung und wurde von Astronomen recht willkürlich vorgenommen. So sind die Sternbilder sehr unterschiedlich gross. Astrologen arbeiten aber mit einer schematischen Darstellung (dem Tierkreis), der in 12 gleich grosse Teilabschnitte aufgeteilt ist. Die Positionen der Planeten zueinander stimmen in der
Astrologie zwar mit den Positionen zueinander am Himmel überein, aber Sternzeichen nicht mit den Sternbildern.
Im übrigen gibt es drei sehr verbreitete Ansätze, nach denen der Beginn des Wassermannzeitalters üblicherweise definiert wird:
Aus astronomischer Sicht:
Die heute gebräuchliche Aufteilung des Sternenhimmels geht auf die Beschlüsse der astronomischen IAU Konferenz in Leiden im Jahre 1928 zurück. Damals hat man fiktive Grenzlinien zwischen den verschiedenen Sternbildern gezogen, um so die dazwischen liegenden Sterne einem bestimmten Sternbild zuordnen zu können. Diese Grenzlinien basieren nicht auf astrologischen Grundlagen, sondern sind sogar relativ willkürlich gezogen worden. Am "grünen Tisch" sozusagen. Als Folge dieser Grenzziehung nehmen die einzelnen Sternbilder am Himmel heute stark unterschiedlich grosse Teilbereiche der Ekliptik ein. Manche sind sehr klein und andere sehr weit. Ausserdem gibt es nun ein 13. Sternbild, dass sich mit einem kleinen Abschnitt mit in die Ekliptik "hereingemogelt" hat. Neu ist auch, dass einige Sternbilder kleine Ausbuchtungen haben, in der das nächste Sternbild in das erstere "eindringt", weil die Grenzziehung zwischen beiden im Zickzack-Kurs stattfand. Man kann also mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Astronomen bei ihrer Festlegung der Sternbildgrenzen wohl kaum die astrologischen Belange im Auge gehabt haben.
Wenn man aber trotzdem anhand dieser aktuellen astronomischen Sichtweise den Beginn des Wassermannzeitalters festlegen will, dann sind wir momentan tatsächlich noch ca. 4 Grad im Sternbild
Fische und werden wir die Grenze zum Wassermann ungefähr im Jahre 2295 erreicht haben.
Aus Archäoastrologischer Sicht:
Soweit sich das rekonstruieren lässt, gab es in älteren Zeiten mehrere Kriterien, die darüber entschieden, wann ein neues Zeitalter begann. Zum Zeitpunkt der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche - dem Frühlingspunkt, Frühjahrsäquinoktium - wurde darauf geachtet, welches Sternbild während des Sonnenaufgangs im Osten am Himmel steht. Wobei das Sternbild damals allerdings nicht nach den heute gebräuchlichen Sternbildgrenzlinien definiert wurde, sondern sich an den Hauptsternen (die gedanklich miteinander verbunden wurden) des jeweiligen Sternbildes orientierten. Derzeit hat das Sternbild Wassermann das Sternbild Fische abgelöst, denn tatsächlich ist in der Morgendämmerung jenes Tages kein einziger Stern des Fische-Sternbildes mehr sichtbar.
Da die Verschiebung der Sternbilder an jenem Tag jedoch sehr langsam vonstatten geht und somit auf diese Weise nicht wirklich auf ein einzelnes konkretes Jahr genau zu bestimmen ist, erwartete man offenbar zusätzlich immer noch andere, besondere Himmelsereignisse, die dann sozusagen ganz offiziell den endgültigen Startschuss geben sollten. Üblicherweise waren das bestimmte Planetenkonjunktionen. Von denen man in der Antike annahm, dass dann der Lauf der Zeit selbst neu beginnen würde, weil dann die Planeten auch ihren Lauf neu beginnen.
Wenn man also nach traditionellen Gesichtspunkten den Beginn des Wassermannzeitalters bestimmen möchte, dann müsste es bereits begonnen haben. Denn erstens sind keine Sterne des Fische-Sternbildes mehr am Morgen der Frühlings-Tagundnachtgleiche zu sehen, sondern nur noch die Sterne des Wassermann-Sternbildes und zweitens gab es am 5. Mai 2000 ausserdem eine dieser seltenen Konjunktionen, die alle klassischen Planeten betraf und somit den Anfang eines "Grossen Jahres" anzeigte.
Aus New Age Sicht:
Eine völlig neue Definition für den Beginn des Wassermannzeitalters hat das "Aquarian Age Network" beschrieben. Nach deren Ansicht ist das Band der Milchstrasse, dass selbst mit blossen Augen schwach am Nachthimmel zu sehen ist, der Maßstab, an dem sich der Beginn einer neuen Ära zeigt. Der galaktische Äquator, der die Ekliptik zwischen den Sternzeichen Stier und Zwillinge kreuzt, stellt demnach den Nullpunkt dar, an dem sich der jeweilige Frühlingspunkt orientiert. Und da sich unser momentaner Frühlingspunkt um 90 Grad von dort verschoben hat (was schliesslich 3/12 des Tierkreises entspricht), sind wir nach dieser Definition bereits im Wassermannzeitalter.
Das ungewöhnliche dieser Betrachtungsweise ist jedoch, dass sie sich an dem des Zentrums unserer Milchstrasse gegenüberliegenden Punkt ausrichtet.
Andererseits ist die Ausrichtung am Band der Milchstrasse an unserem Nachthimmel durchaus öfter in der Mythologie zu beobachten ... also eigentlich doch nicht so neu. Zumindest ist diese Sicht wohl aber trotzdem eine der umstrittensten.
Herzliche Grüsse
Pir Solis