5. Be-Deutungen»Was ein Wort bedeutet, kann ein Satz nicht sagen.«
(Ludwig Wittgenstein, 1889-1951)
Bei der Beschreibung der Jahreszeiten wurde jedem Tierkreiszeichen eine von
drei Dynamiken zugeordnet: Beginn, Manifestation und Verlauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Astrologen sprechen von der
Zeichenqualität und nennen diese Dynamiken
Kardinal,
Fix (= Fest) und
Beweglich (= Veränderlich). Gemeint ist das gleiche. Darüber hinaus werden vier Elemente unterschieden:
Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie symbolisieren Zustandsformen der Materie/Energie, die sich im Temperament eines Tierkreiszeichens widerspiegeln. Jedes der zwölf Zeichen repräsentiert also genau eine Kombination aus drei Dynamiken und vier Elementen (3 * 4 = 12).
Übertragen wir nun das Sonnenbeispiel von den Jahreszeiten auf den Charakter eines Menschen. Befindet sich bei der Geburt eines Menschen die Sonne im ersten der zwölf Tierkreiszeichen, dem WIDDER, dann nimmt der Astrologe an, dass sich (unter anderem) das bewußte Handeln (Sonne) dieses Menschen zukünftig bevorzugt in WIDDER-Manier äußert, indem beispielsweise gerne etwas Neues begonnen wird. Eine solche Vorliebe setzt natürlich grundsätzlich eine gewisse Begeisterungsfähigkeit für das Unbekannte, einen Pioniergeist voraus. Schauen wir nun zur Kontrolle der gemachten Aussagen in ein Astrologiebuch, nämlich den Klassiker „Das große Lehrbuch der Astrologie“ von Sakoian/Acker. Dort lesen wir auszugsweise zum
Sonnenzeichen WIDDER:
»[...] Widder sprudeln über von schöpferischer Energie und Enthusiasmus; und weil der Widder ein Kardinalzeichen ist, stellen sich die Widdergeborenen stets neue Aufgaben, die sie so lange fesseln, bis der Reiz des Neuen verflogen ist. Menschen dieses Zeichens haben ein ungeheures inneres Bedürfnis, sich durch Aktivität im Leben zu bestätigen. Widdergeborene geben sich nicht damit zu zufrieden, über ihre Bedürfnisse zu sprechen, sie drängen darauf, sie in die Tat umzusetzen. [...]«
Wer mehrere Menschen mit dem Sonnenzeichen WIDDER kennt, kann nun die gemachten Aussagen mit der Realität vergleichen.
6. Das Team...»Diese Mannschaft ist wunderbar.
Wir lieben uns alle so sehr.
Wir sollten heiraten.«
(Oliver Bierhoff)
Neben den bisher erwähnten Gestirnen
Sonne und Mond be(tr)achten Astrologen auch
Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Für deren astrologische Bedeutung spielen auch überlieferte Mythen, die Umstände ihrer Entdeckung, die Anschauung der Umlaufbahnen sowie astronomische Parameter der Gestirne eine wesentliche Rolle. Neu entdeckte Gestirne erweiterten in der Vergangenheit und erweitern in der Zukunft nicht nur das astronomische, sondern stets auch das astrologische Weltbild, das sich im Bewußtsein des einzelnen Menschen und der ganzen Menschheit widerspiegelt. Einige der genannten Gestirne haben eine generationsübergreifende Bedeutung, weil ihre Reise durch den Tierkreis länger dauert, als das Leben eines einzelnen Menschen. Deshalb ist die vollständige Bedeutung dieser Gestirne nicht durch einen Menschen erfahrbar.
...und seine Aufstellung
Für den Astrologen haben aber auch die Stellungen der Gestirne zueinander eine wichtige Bedeutung, denn es werden verschiedene
Aspekte und Aspektfiguren unterschieden, von denen einige besonders hervorgehoben werden. Auf diese Weise ergibt sich ein hochkomplexes Konstellationsgeflecht mit den entsprechenden Interpretationsmöglichkeiten. Die Gestirnskonstellationen zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen werden vom Astrologen in einer Zeichnung, der
Radix („Wurzel“), dargestellt. Diese Zeichnungen lassen sich heute mit Hilfe von Computerprogrammen schnell und exakt erstellen.
Die Konstellation der Gestirne zum Zeitpunkt der Geburt scheint für ein Leben ähnlich bedeutend wie die
Team-Aufstellung für ein Fußballspiel (= Leben) zu sein. Die Aufstellung (= Radix) weist den Spielern (= Gestirnen) zunächst bestimmte Positionen zu. Mit diesen Positionen sind in der Regel besondere Aufgaben, Rechte und/oder Pflichten (= Rollen) verbunden. Einige Spieler bevorzugen bestimmte Positionen und verlassen diese während des Spiels selten oder ungern. Andere Spieler entdecken erst durch einen Positionswechsel innerhalb des Spiels völlig neue Talente. Manche Spieler verstehen sich besser als andere. Aus den Rivalitäten unter den Spielern eines Teams (= Kollision von Interessen) können sich Chancen und Gefahren für das ganze Team ergeben. Und mit vielen Spielern und Positionen sind Klischees und Vorurteile verbunden.
Der Trainer sollte die individuellen Fähigkeiten und Marotten, die Stärken und Schwächen seiner Spieler kennen und berücksichtigen. Zwar können wir den Fokus auf einzelne Spieler richten, aber gewonnen oder verloren wird im Team.
7. Qué Sera, Sera»Zukunft wird nur dann möglich sein, wenn wir lernen,
auf Dinge, die machbar wären, zu verzichten,
weil wir sie nicht brauchen.«
(Günter Grass)
Weil sich die Gestirne auf bekannten Bahnen mit bekannten Geschwindigkeiten bewegen, sind vergangene, gegenwärtige und zukünftige Gestirnskonstellationen berechenbar. Daher können Aussagen über die damit verbundene
astrologische Zeitqualität gemacht werden. Womit wir beim Blick in die Zukunft wären, der unbestritten einen hohen Reiz auf viele Menschen ausübt. Mit Hilfe der Astrologie lassen sich zwar keine zuverlässigen Aussagen über konkrete Ereignisse machen, sondern lediglich Entwicklungen und
Tendenzen annäherungsweise verdeutlichen, doch diese Tatsache hält natürlich einige Astrolog/inn/en nicht davon ab, teilweise durchaus erfolgreich über irdische Entsprechungen zukünftiger Zeitqualitäten zu spekulieren.
Zukünftige Gestirnskonstellationen lassen sich auch in Bezug zu einer Radix setzen, um auf diese Weise Aussagen zur individuellen Zukunft zu machen. Der Astrologe spricht vom
Transit. Auch hierbei gilt: konkrete Ereignisse sind nicht vorhersehbar. Es gibt weitere Techniken der astrologischen Prognose, doch sollte bedacht werden, dass grundsätzlich jede Vorhersage — astrologisch oder nichtastrologisch — zu einer
Bewußtseinsfixierung und einem
Gegenwartsverlust führen
kann. Es ist dabei nicht entscheidend, ob sich die Vorhersage tatsächlich erfüllt.
Die Astrologie lehrt uns, dass wir nicht davon ausgehen können, dass die Zukunft nur angenehme Erfahrungen für uns bereit hält, aber dass andererseits auch unangenehme Erfahrungen wichtige Impulse für unsere Entwicklung liefern. Die Astrologie kann dabei behilflich sein, die Bedeutung von Erfahrungen — insbesondere gegenwärtigen Krisen — in einem
größeren Zusammenhang zu verstehen und neue Entwicklungswege und Potentiale zu entdecken.
8. Finale
Eine wichtige astrologische Ordnungsstruktur wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit zurückgestellt:
Die Häuser. Der Häuserkreis ist in den Tierkreis eingebunden, ebenfalls in zwölf Segmente unterteilt und ergibt sich aus der Erdrotation, die wir als Tageszeit erleben. Die zwölf Häuser (auch Felder genannt) symbolisieren dabei verschiedene
Lebensbereiche (Verwirklichungsebenen), wodurch sich die astrologische Deutung erheblich konkretisieren lässt. Der Aszendent bildet den Anfang und das Ende des Häuserkreises.
Damit möchte ich diesen Kurs beschließen, der euch einen
kleinen Einblick in die Welt der Astrologie vermitteln sollte. Durch Astrologie wird verständlicher, warum wir uns bestimmten Menschen mehr verbunden fühlen als anderen. Sie lehrt uns, Andersartigkeit
und Gemeinsamkeit neu zu schätzen.
»Für immer, Herr, steht dein Wort im Himmel fest.
Deine Treue gilt jeder neuen Generation.«
(Psalm 119, 89-90)
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Literatur
Christopher Weidner, "Astrologie für Einsteiger", Knaur TB, München 2001
Markus Jehle, "Wenn der Mond im siebten Hause steht...", Ebertin, Freiburg im Breisgau 2000
Gerhard Voss, "Astrologie christlich", F. Pustet, Regensburg 1996
Frances Sakoian/Lois S. Acker, "Das große Lehrbuch der Astrologie", Knaur TB, München 1979
Web-Adresse (URL) zu diesem Beitrag:
http://www.esoterikforum.de/astrologie-horoskope/1023-ein-astrologie-schnellkurs.html
Schalom